INNSBRUCK

Bozner
Platz
Neu

Der als urbaner Verkehrsplatz funktionierende Bozner Platz wird vom funktionszuordnenden und trennenden „Straßen-Gehweg-Grünbereich“ – Denken befreit, als zusammenhängendes Ganzes weitergedacht und räumlich bis an seine Architekturkanten aufgespannt. Der bestehende Bozner Platz wird hierdurch von einem inselartigen Gartenplatz in einen #einplatz transformiert, der von unterschiedlichen Bedürfnissen geprägt ist und somit sein vorhandenes städtebauliches Potenzial entfalten kann. Es entsteht ein Ermöglichungsraum für urbane Simultanitäten.Unterschiedliche Nutzungen werden dadurch in das „große Ganze“ integriert, notwendige Sichtbeziehungen und räumliche bzw. städtebauliche Bezüge und Orientierungen möglich gemacht bzw. weiterhin erhalten. Gestalterische und bauliche Eingriffe werden bewusst auf ein absolutes Minimum reduziert um den Anspruch, den Platz „als Ganzes“ aufzuspannen, gerecht zu werden. Dadurch entstehen keine optischen Hindernisse. Von jedem Punkt aus wird freie Einsehbarkeit erzielt. Um dieses Ziel zu erreichen bedienen wir uns vorrangig dem Element des Bodenbelages. 

Städtebaulich funktioniert der Bozner Platz primär als Bindeglied zwischen Innenstadt und Bahnhof. Im Belagskonzept spiegelt sich die Idee des „Einwebens“ und „Weiterstrickens“ in die bestehenden und angrenzenden Strukturen wider. Die in den Übergangsbereichen bestehenden Materialien fließen in den Platz ein und erhalten mit Hilfe eines eingeflochtenen Passepartouts (roter Porphyr) eine neue Qualität und Maßstäblichkeit. Dieses Passepartout als übergeordneter Raster innerhalb des Belages verweist zum einen über sich hinaus auf die zwei Enden der innerstädtischen Struktur – Altstadt (roter Porphyr) und Bahnhof (roter Belag) – wodurch eine subtil bekennende Geste des Platzes als #missinglink sichtbar wird.
Zum anderen verweist dieses Passepartout auch nach innen, quasi in sich hinein: Als maximale Verdichtung des Platzgefüges geht dieser „Grid“ beinahe fließend in die versickerungsfähigen Oberflächen (Kies) der „urbanen Bäumräume“ über, wodurch diese Orte integrale Bestandteile des gesamten Platzes werden.

Die Gliederung des Platzes erfolgt also nicht über baulich-funktionstrennende Elemente, sondern weitgehend über die Anordnung und Verdichtung der Vegetation. Es beginnt ein Spiel der Wechselwirkungen, die sich aus dem Spannungsbogen zwischen „Urbanität“ und „fehlender Urbanität“ (Baumgruppe) heraus entwickeln.
Die Baumgruppen generieren Räume, dessen Qualitäten und Atmosphären auf selbstverständliche Weise als Anziehungspunkt für Benutzer wirken.
Eine Nutzungsdurchmischung der öffentlichen und privaten Akteure in diesen Bereichen ist erwünscht; auf klare Flächenzuordnungen für Nutzergruppen wird bewusst verzichtet. Die urbanen Baumräume wirken als Magnete für Weiterentwicklungen. Passend hierzu wird eine Bestuhlung vorgeschlagen, die als Einzelsessel mit Gestellverkettung konzipiert ist. Der einzeln benutzbare Sessel löst hierbei wieder die Konventionen des Zonen-Denkens auf.
Die bestehenden einreihigen Beleuchtungen der einfallenden Straßen mittels Abhängesystem und Hängeleuchten auf eine mehrreihige Platzbeleuchtung auszuweiten und weiterzuspinnen entspricht dem Konzept des freien und ohne Einbauten generierten Platzes. Baumzonen mittels schwammbildendem Aufbau – gespeist über Linienentwässerung für klimaangepasstes Regenwassermanagement – tragen zur Entlastung der Kanalisation und Verbesserung des Stadtklimas und der Artenvielfalt (versickerbare unversiegelte Flächen) bei.

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